Burgstädte, Wälder und Sanriku: Reiseziele in Aomori, Akita und Iwate
18. September 2026

Aomori, Akita und Iwate werden in Japan häufig unter dem Begriff Kita-Tohoku, also Nord-Tohoku, zusammengefasst. Diese Bezeichnung ist praktisch, und die drei Präfekturen arbeiten seit vielen Jahren regional eng zusammen. Gleichzeitig kann sie jedoch den Eindruck erwecken, dieses sehr große Gebiet sei einheitlicher, als es tatsächlich ist.
Für Reisende ist dieser Unterschied wichtig.
Ein paar Tage in Hirosaki und Kakunodate fühlen sich ganz anders an als eine Reise durch Oirase und rund um den Towada-See. Morioka und Hiraizumi bieten wiederum eine andere Art von Reise, und wer bis an die Sanriku-Küste fährt, verlagert seine Reise schließlich an den Pazifik.
Es ist also nicht nötig, die Planung mit der Frage zu beginnen, wie sich alle drei Präfekturen in eine einzige Reise packen lassen.
Die bessere Frage lautet: Was möchten Sie dort eigentlich erleben?
Wenn Geschichte im Mittelpunkt steht, beginnen Sie mit den Städten
Im nördlichen Tohoku gibt es mehrere historische Reiseziele, doch sie gehören zu unterschiedlichen Epochen und erzählen ganz verschiedene Geschichten.
Hirosaki entwickelte sich als Burgstadt in der Tsugaru-Region von Aomori. Die Burg Hirosaki ist bis heute das bekannteste Wahrzeichen der Stadt, während ein Teil der ehemaligen Burgstadt im nahe gelegenen Samurai-Viertel erhalten geblieben ist.
Auf der anderen Seite der Berge, in Akita, liegt das kleinere und ruhigere Kakunodate. Die Stadt wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Burgstadt angelegt und ist heute vor allem für ihr gut erhaltenes Samurai-Viertel und die traditionellen Wohnhäuser bekannt. Da der Akita Shinkansen in Kakunodate hält, lässt sich dieser atmosphärische kleine Ort relativ leicht in eine Bahnreise einbauen.
Dann gibt es noch Hiraizumi im Süden von Iwate.
Hiraizumi gehört zu einem deutlich früheren Kapitel der japanischen Geschichte. Im 11. und 12. Jahrhundert erlebte der Ort unter den Nördlichen Fujiwara seine Blütezeit. Heute gehören seine Tempel, Gärten und archäologischen Stätten zum UNESCO-Welterbe. Chusonji und die mit Blattgold bedeckte Konjikido-Halle sind die bekanntesten Sehenswürdigkeiten.
Es liegt nahe, Hirosaki, Kakunodate und Hiraizumi einfach unter „historisches Japan“ zusammenzufassen. Vor Ort wirken sie jedoch keineswegs austauschbar.
Gerade das macht ihren Reiz aus.
Sobald Sie die Städte verlassen, wird die Reise deutlich ruhiger
Wenn Natur der Hauptgrund für Ihre Reise in den Norden ist, gehört das Gebiet um Oirase und Towada zu den interessantesten Möglichkeiten.
Die Oirase-Schlucht folgt auf rund 14 Kilometern einem bewaldeten Bachlauf. Wasserfälle, moosbewachsene Felsen und dichter Wald begleiten den Weg. Der Bach fließt vom Towada-See herab, während die nahe gelegenen Hakkoda-Berge noch einmal eine ganz andere Landschaft bieten.
Dies ist eine Gegend in Tohoku, in der Eile dem Erlebnis eher im Weg steht.
Eine ähnlich ruhige Atmosphäre findet man in Akita rund um den Tazawa-See und Nyuto Onsenkyo. Der Tazawa-See ist der tiefste See Japans. In den nahe gelegenen Bergen liegt Nyuto Onsenkyo mit sieben von Wald umgebenen heißen Quellen. Vom Bahnhof Tazawako fahren öffentliche Busse in das Onsen-Gebiet.
Eine Nacht in den Bergen kann hier sinnvoller sein, als noch eine weitere Sehenswürdigkeit in den Tagesplan zu quetschen.
Manchmal besteht der Sinn einer Reise einfach darin, eine Weile nicht weiterzufahren.
Morioka ist mehr als nur ein Umsteigebahnhof
Morioka ist der wichtigste Verkehrsknotenpunkt für große Teile von Iwate. Gerade deshalb wird die Stadt leicht unterschätzt.
Sie bietet genug Geschichte, Essen und alltägliche Atmosphäre, um selbst Zeit einzuplanen. Im Zentrum stehen noch die Steinmauern der ehemaligen Burg Morioka, während Flüsse und die umliegenden Berge dafür sorgen, dass die Stadt sichtbar mit ihrer Landschaft verbunden bleibt.
Auch das Essen gehört zur Identität Moriokas. Wanko Soba, Reimen und Jajamen sind nicht einfach Gerichte, die zufällig hier serviert werden – sie gehören dazu, wie die Stadt in Japan wahrgenommen wird.
Weiter nördlich bietet Hachinohe einen weiteren urbanen Zwischenstopp mit enger Verbindung zum Meer und zu Fisch und Meeresfrüchten. Allein im großen Hasshoku Center gibt es mehr als 60 Geschäfte mit Meeresfrüchten und regionalen Produkten.
Keine der beiden Städte sollte nur als Durchgangsstation auf dem Weg zu einer bekannteren Sehenswürdigkeit betrachtet werden.
Sanriku verdient eigene Zeit
Wer von Morioka nach Osten reist, stellt schnell fest, dass die Karte täuschen kann.
Die Sanriku-Küste wirkt nicht besonders weit entfernt. Doch schon die Fahrt bis an die Pazifikküste und anschließend entlang der Küste braucht Zeit. Miyako und Jodogahama erreicht man von Morioka aus beispielsweise per Bahn oder Bus und anschließend mit lokalen Verkehrsmitteln.
Das ist ein Grund, Sanriku mehr Zeit zu geben – nicht weniger.
In Jodogahama bilden weiße Felsformationen, grüne Kiefern und blaues Wasser eine der bekanntesten Küstenlandschaften Iwates. Der Sanriku-Fukko-Nationalpark bewahrt zugleich Landschaften und Gemeinden, die durch das Große Ostjapan-Erdbeben und den Tsunami von 2011 geprägt wurden. Entlang der Küste begegnen Reisende dieser Geschichte in Museen, Gedenkstätten und lokalen Einrichtungen.
Ein Aufenthalt hier fühlt sich vollkommen anders an als Hiraizumi oder Morioka.
Und genau so sollte es sein.
Wohin also?
Wenn Burgstädte und alte Straßen der Grund für Ihre Reise in den Norden sind, bieten sich Hirosaki und Kakunodate als natürliche Ausgangspunkte an. Hiraizumi ergänzt eine deutlich ältere historische Ebene.
Wenn Wälder, Seen und heiße Quellen wichtiger sind, verdienen Oirase, Towada und die Bergregionen Akitas mehr Zeit als einen kurzen Zwischenstopp.
Wenn Sie unterwegs auch eine Stadt erleben möchten, ist Morioka eine gute Wahl, ohne sich wie ein Abstecher in eine Großstadt anzufühlen.
Und wenn Sie vor allem die Pazifikküste interessiert, sollten Sie Sanriku genügend Zeit geben, damit es selbst zum Ziel der Reise wird und nicht nur zu einem Ausflug.
Aomori, Akita und Iwate werden zwar gemeinsam als Kita-Tohoku bezeichnet.
Vor Ort gibt es jedoch nicht die eine Reise durch Nord-Tohoku.
Es gibt mehrere – und sie könnten unterschiedlicher kaum sein.
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